Leyte Gulf 1944: Größte Seeschlacht und erste Kamikaze-Angriffe
AIEin Tag, drei Wendepunkte
Am 25. Oktober 1944, heute vor 82 Jahren, geschah vor den Philippinen innerhalb weniger Stunden gleich dreierlei: Eine kleine amerikanische Schiffsgruppe, die nur Begleitträger und Zerstörer umfasste, stand plötzlich vier japanischen Schlachtschiffen gegenüber. Die Schlachtschiffe fochten ihr letztes Gefecht gegen Schlachtschiffe. Und kurz vor 11 Uhr traf ein japanisches Flugzeug absichtlich ein amerikanisches Schiff, der erste organisierte Kamikaze-Angriff des Krieges, der Schiffe versenkte.
Kurz gesagt: Die Schlacht im Golf von Leyte dauerte vom 23. bis 26. Oktober 1944 und gilt je nach Maßstab als die größte Seeschlacht der Geschichte. Sie zerstörte die Schlagkraft der japanischen Flotte, und sie brachte eine Waffe auf, die den Pazifikkrieg bis Kriegsende prägte. Heute, am 25. Oktober 2026, startet in HistoryBytes die Season zum Zweiten Weltkrieg, und dieser Tag in der Geschichte ist ein guter Einstieg.
Der Plan der japanischen Flotte
Die "Schlacht" im Golf von Leyte war genau genommen ein Feldzug aus vier miteinander verbundenen Schlachten: in der Sibuyan-See, an der Surigao-Straße, am Kap Engaño und vor Samar. Am 23. Oktober 1944 startete die japanische Marine einen gewaltigen Gegenangriff auf die alliierte Landung auf den Philippinen. Insgesamt waren nach einer Darstellung 282 Schiffe und fast 200.000 Menschen beteiligt, auf einer Fläche von über 100.000 Quadratmeilen.
Am ersten Tag versenkten amerikanische U-Boote zwei Kreuzer, darunter das Flaggschiff von Admiral Takeo Kurita, der die japanische Zentralflotte führte. Am 24. Oktober versenkten Trägerflugzeuge das Schlachtschiff Musashi, eines der größten der Welt, das rund drei Dutzend Treffer abbekam. Kurita zog sich vorübergehend zurück und drehte dann wieder um. Die Pointe des japanischen Plans war ein Köder: Die Nordflotte lockte die amerikanische 3. Flotte unter Admiral Halsey nach Norden. Als Kurita am 25. Oktober um 0:35 Uhr durch die ungeschützte San-Bernardino-Straße fuhr, stand dort kein amerikanisches Schiff mehr.
AIDie Nacht vom 24. auf den 25. Oktober
Zeitgleich fuhr eine zweite japanische Gruppe durch die Surigao-Straße im Süden, wo die Amerikaner sie erwarteten. Das Gefecht von 22:52 bis 5:00 Uhr gilt als klassisches Beispiel für das "Überqueren des T", ein Manöver, bei dem eine Flotte ihre Breitseiten auf die Spitze des Gegners richtet, der nur mit den vorderen Geschützen antworten kann. Die Schiffe unter Admiral Nishimura liefen in eine tödliche Falle.
Es war die letzte Schlacht in der Geschichte, in der Schlachtschiffe in einer Gefechtslinie gegeneinander kämpften. Das japanische Schlachtschiff Yamashiro war das letzte Schlachtschiff, das ein anderes bekämpfte, und eines von sehr wenigen, die im Zweiten Weltkrieg von einem anderen Schlachtschiff versenkt wurden.
AI
Das ist HistoryBytes.
Kurze Lektionen, echte Duelle und immersive Visuals aus einer Welt voller Geschichte — lad's dir jetzt herunter.
Sechs Begleitträger, drei Zerstörer, vier Geleitzerstörer
Am Morgen des 25. Oktober tauchte Kuritas Zentralflotte, 23 Schiffe, vor der Insel Samar auf. Dort lag eine kleine amerikanische Gruppe mit dem Rufnamen "Taffy 3" unter Konteradmiral Clifton Sprague: sechs Begleitträger, drei Zerstörer und vier Geleitzerstörer, gebaut für Luftunterstützung und nicht fürs Gefecht gegen Schlachtschiffe. Ihnen gegenüber standen vier Schlachtschiffe, darunter die Yamato mit ihren 46-cm-Geschützen, sechs schwere Kreuzer, zwei leichte Kreuzer und elf Zerstörer. Die Yamato verdrängte allein so viel wie die gesamte Taffy 3 zusammen.
Sprague schickte die Träger mit voller Fahrt in ein Regenband und die Zerstörer in den Angriff. Die USS Johnston unter Commander Ernest Evans griff als Erste und allein an, mitten auf eine Wand aus Kreuzern, und ihr Torpedo riss dem Kreuzer Kumano den Bug ab. Hoel, Heermann und der kleine Geleitzerstörer Samuel B. Roberts folgten, der den Beinamen "der Geleitzerstörer, der wie ein Schlachtschiff kämpfte" bekam. Nach etwa einer Stunde zwangen Torpedos sogar die Yamato zum Ausweichen, der japanische Verband geriet durcheinander.
AIWarum Kurita umkehrte
Der Preis war hoch: Der Begleitträger Gambier Bay, der einzige amerikanische Träger, der je durch gegnerische Schiffsartillerie versenkt wurde, sowie die Zerstörer Johnston und Hoel und der Geleitzerstörer Samuel B. Roberts gingen verloren. Von der Besatzung der Johnston überlebten 145, von der Hoel 58, von den 224 Männern der Samuel B. Roberts 120. Die Überlebenden warteten nach einer Darstellung drei Tage und zwei Nächte auf Rettung. Commander Evans wurde nach seinem Tod mit der Medal of Honor ausgezeichnet. Das Wrack der Samuel B. Roberts wurde am 22. Juni 2022 gefunden.
Die Japaner verloren die schweren Kreuzer Chokai, Chikuma und Suzuya. Um 9:20 Uhr signalisierte Kurita den Rückzug durch die San-Bernardino-Straße. Er hielt die kleinen Schiffe von Taffy 3 für große Flottenträger und fürchtete, die 3. Flotte würde jeden Moment eintreffen. Das war ein Irrtum, und es rettete die Landungsstrände. Admiral Nimitz schrieb später, der Erfolg von Taffy 3 sei "nichts weniger als eine besondere Gnade des Herrn" gewesen. Historiker zählen den Kampf zu den größten letzten Gefechten der Seekriegsgeschichte.
Ein Flugzeug trifft die USS St. Lo
Am späteren Vormittag, nachdem Kurita abgedreht hatte, fand um 10:47 Uhr die Shikishima-Einheit der 201. Luftgruppe der japanischen Marine die Schiffe von Taffy 3. Bereits am 21. Oktober hatte ein Kamikaze den australischen schweren Kreuzer Australia getroffen, und ein erster offizieller Angriff unter Yoshiyasu Kunō schlug fehl. Die organisierten Angriffe der "Sonderangriffsverbände" begannen am 25. Oktober, mit der Einheit von Leutnant Yukio Seki, 23 Jahre alt.
Um 10:53 Uhr (nach anderen Angaben um 10:51 Uhr) traf eine Zero absichtlich den Begleitträger USS St. Lo, der binnen einer halben Stunde sank. Es war das erste große Schiff, das ein Kamikaze versenkte, andere Begleitträger wurden beschädigt. Seki selbst starb an diesem Tag. Der Kamikaze-Angriff war eine Antwort auf eine strategisch hoffnungslose Lage: Nach Leyte konnte die japanische Flotte keine Seeverbindungen mehr stören, und die Marine setzte ihre verbliebenen Flugzeuge als Selbstmordwaffen ein.
AIEine Flotte ohne Schlagkraft, eine Waffe ohne Ende
Leyte beendete die Fähigkeit der japanischen Flotte, groß angelegte Seeoperationen zu führen. Das Trägerschiff Zuikaku, der letzte Überlebende der sechs Flugzeugträger, die Pearl Harbor angegriffen hatten, sank am 25. Oktober vor dem Kap Engaño. Nach Leyte standen Okinawa und die japanischen Hauptinseln ohne Schutz der Flotte da.
Die Kamikaze blieben. Bei Okinawa startete Japan 1945 massierte Angriffe, die Operation Kikusui, bei der die amerikanischen Radarvorposten-Zerstörer die Hauptlast trugen. Die Taktik ließ sich nicht umkehren und konnte Japans Niederlage nicht verhindern. Was von Leyte blieb, ist beides: die größte Seeschlacht der Geschichte und der Beginn einer Kampfform, die bis Kriegsende dauerte.
Rekordtiefe vor Samar
Die Wracks der Schlacht blieben fast 80 Jahre verschwunden. 2021 erreichte der amerikanische Forscher Victor Vescovo mit seinem Tauchboot das Wrack der USS Johnston, dessen tiefster Teil in 6.468,6 Metern Tiefe liegt, damals das tiefste je gefundene Schiffswrack. Am 22. Juni 2022 fand er zusammen mit dem Sonarspezialisten Jeremie Morizet die Samuel B. Roberts, in zwei Teile zerbrochen, die rund zehn Meter auseinanderliegen. Sie liegt in etwa 6.900 Metern Tiefe, die Quellen nennen Werte zwischen 6.865 und 6.895 Metern, fast 3.000 Meter tiefer als die Titanic. Es ist das tiefste Wrack, das je gefunden und untersucht wurde.
Dem Fund ging genaue historische Recherche voraus, die unter anderem der Marineoffizier a. D. Parks Stephenson leitete, denn die alten Positionsangaben waren ungenau. Nach der Gambier Bay suchte das Team ebenfalls, fand sie aber nicht, nach der Hoel suchte es mangels verlässlicher Daten gar nicht. Auf der Samuel B. Roberts liegt nach den Entdeckern offenbar noch scharfe Munition an Bord.
AIDer Überblick auf einen Blick
Zum Schluss die Kurzfassung, damit zwischen Fakt und Erzählung nichts verwischt.
| Einordnung | Was dazugehört |
|---|---|
| Gut belegt | Schlacht im Golf von Leyte vom 23. bis 26. Oktober 1944 aus vier Schlachten; Sinken der Musashi am 24. Oktober; Surigao-Straße in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober als letztes Schlachtschiff-Gefecht; Taffy 3 (6 Begleitträger, 3 Zerstörer, 4 Geleitzerstörer) gegen die Zentralflotte (4 Schlachtschiffe, 6 schwere Kreuzer, 2 leichte Kreuzer, 11 Zerstörer); amerikanische Verluste Gambier Bay, Johnston, Hoel, Samuel B. Roberts, St. Lo; japanische Verluste Chokai, Chikuma, Suzuya; Kuritas Rückzug gegen 9:20 Uhr; Kamikaze-Angriff auf die St. Lo am 25. Oktober vormittags; Wrackfunde Johnston (2021) und Samuel B. Roberts (22. Juni 2022) |
| Überliefert | Der Satz von Nimitz ("besondere Gnade des Herrn"); dass die Überlebenden drei Tage und zwei Nächte auf Rettung warteten; die genaue Uhrzeit des Treffers (10:51 oder 10:53 Uhr) |
| Umstritten | Ob Leyte "die größte Seeschlacht der Geschichte" war (hängt vom Maßstab ab, nach Wikipedia "eine der größten"); Halseys Entscheidung, nach Norden zu fahren; warum Kurita umkehrte; die genaue Tiefe der Samuel B. Roberts (6.865 bis 6.895 Meter je nach Quelle); ob der erste Kamikaze-Einsatz am 21. oder am 25. Oktober anzusetzen ist (21. Oktober: erster offizieller, erfolgloser Angriff und Treffer auf die Australia; 25. Oktober: erste organisierte Angriffe mit versenktem Schiff) |
Ein Bild aus fünf Blickwinkeln
Leyte Gulf zeigt, wie viel in einem einzigen Tag steckt. In HistoryBytes ist jede Season in fünf Kategorien aufgeteilt, und diese Geschichte berührt alle fünf: Commander Ernest Evans als Person, die Insel Samar als Ort, die Schlacht vor Samar am 25. Oktober 1944 als Ereignis, das Überqueren des T als Idee, der Zerstörer Johnston als Objekt. So entsteht in der Season WW2 das Gesamtbild eines Krieges, den Menschen auf allen Seiten erlebten. Die Season startet heute mit 250 Episoden, aufgeteilt in je 50 Personen, Orte, Ereignisse, Ideen und Objekte, mehr als zwölf Stunden Spielzeit, und die erste Woche ist für alle gratis.
Der 25. Oktober 1944
Dass derselbe Tag den Heldenmut einer Handvoll kleiner Schiffe, das letzte Gefecht der Schlachtschiffe und den Beginn einer neuen, grausamen Kampfform sah, macht ihn zu einem der dichtesten Tage des Zweiten Weltkriegs. Auf allen Seiten standen Menschen, die ihre Befehle befolgten, die meisten von ihnen jung. Wer heute an diesen Tag denkt, denkt an die Besatzungen, die dort blieben, und an die, die nach drei Tagen im Wasser gerettet wurden.
AIEntdecke den Zweiten Weltkrieg in HistoryBytes

WW2
Von den Schlachten Europas bis zum Pazifik — in der Season WW2 erfährst du, wie Menschen, Orte, Ereignisse, Ideen und Objekte den Krieg prägten. Story-Kampagnen, Quiz und echte Immersion in eine Welt aus Krieg, Mut und Wendepunkten.
5 Episoden gratisDie ersten 5 Episoden sind gratis, Premium schaltet den Rest frei.



